Mythologische und historische Ursprünge von Ayurveda und Sāṃkhya



Viele Historiker sind sich einig, dass diese Disziplin mindestens sechstausend Jahre alt ist, obwohl, wie es in Indien auch häufig für die Übermittlung anderer historischer Systeme der Fall ist, die Anfänge des Ayurveda-Wissens bis heute nicht exakt zu bestimmen sind, da die Phase der ersten mündlichen Überlieferungen von ungewisser Dauer war.

In jedem Fall sind die Wurzeln dieser Disziplin in den alten vedischen Texten, insbesondere im Atharvaveda, zu finden.

Mythologische Quellen besagen, dass Ayurveda direkt von Brahmā stammt, der sein Wissen dem Weisen Dakṣa Prajāpati übermittelte, der es den Zwillingsgöttern Aśvin lehrte. Von ihnen wurde es an Indra weitergegeben, den Herrn des Blitzes und Gott des Sturms, und dieser offenbarte es wiederum seinen Schülern Bhāradvāja, Atreya, Kāśyapa und Dhanvantari.

Letzterer gilt als die Vatergottheit des Ayurveda und wird von den meisten ayurvedischen Ärzten immer noch als Schutzpatron der traditionellen Medizin angesehen. In der Ikonographie wird er gewöhnlich mit einer Vase aus Amṛta, dem Nektar der Götter oder einem Getränk der Unsterblichkeit in der linken oberen Hand dargestellt, während er in der rechten unteren Hand einen Text über Medizin trägt; in den anderen Händen hält er ein Heilkraut und manchmal sogar ein Blutegel, ein Skalpell oder eine Muschel, um die verschiedenen Zweige der Medizin und Chirurgie darzustellen.

Ayurveda ist nicht nur eine großartige natürliche Disziplin, die das Manifeste mit dem Unmanifesten kombiniert, den Mikrokosmos mit dem Makrokosmos, das Physische mit dem Geistigen, sondern präsentiert sich auch aus praktischer Sicht, wie unten zu sehen ist, bereits rational strukturiert in acht Bereiche (Aṣṭāṅga Āyurveda):

• kāyacikitsā: Innere Medizin
• śalyatantra: Chirurgie
• śalakyatantra: Augen- und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
• kaumārabhṛtya: Gynäkologie, Geburtshilfe und Pädiatrie
• agadatantra: Toxikologie
• bhūtavidyā: Psychiatrie
• rasāyana: Medizin der Verjüngung
• vājīkaraṇa: Aphrodisiakums- und Reproduktionsmedizin

Das Vorhandensein dieser Spezialisierungen könnte auf Ähnlichkeiten mit der modernen westlichen Medizin hinweisen, im Gegensatz zu letzterer aber beginnt und entwickelt sich die ayurvedische Medizin, ohne jemals weder die physische noch die spirituelle Konstitution des Menschen zu vernachlässigen.

Beide Disziplinen sind Kinder ihrer respektiven Kultur. Die indische Medizin strebt danach, den psychosomatischen Komplex mit der geistigen Substanz zu vereinen, während die moderne westliche den Fokus auf den materiellen Aspekt richtet, zumindest im Moment noch (aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben ...)

Diese dem Ayurveda innewohnende Haltung ergibt sich aus der selbstauferlegten Interpretation der Natur des sāṃkhya, von der aus jedes Mal neu begonnen werden muss, um das gesamte System besser zu verstehen.

Bereits in meinem Buch „Die Wissenschaft vom Leben: Yoga und Ayurveda“ veröffentlicht von SpazioAttivo edizioni, schrieb ich:

Jede wissenschaftliche oder metaphysische Disziplin basiert auf einer philosophisch-mathematischen Interpretation der Natur und ihrer Regeln, die sie charakterisieren und unterscheiden. Gleiches gilt für die typischste indische Medizin, dem Ayurveda (=Wissen vom langen Leben)

Die Säulen dieser Wissenschaft bestehen aus Elementen einer alten philosophischen, dualistischen Betrachtung, sāṃkhya genannt, vor Ankunft des Buddha, aber gleichfalls atheistisch. Traditionell gilt Kapila als Verfasser, obwohl, wie Radhakrishnan in seiner Abhandlung "Indische Philosophie" feststellt, keine philosophische Schule ihre ganze Fülle aus dem Geist eines einzelnen Mannes schöpft. In der Tat finden wir Spuren dieses „Standpunkts“ bereits im Ṛgveda und in den Upaniṣaden, oder zumindest finden wir Hinweise auf Begriffe, die später von Kapila selbst übernommen werden.

Der sāṃkhya ist einer der sechs orthodoxen brahmanischen Gesichtspunkte oder ṣaṣdarśana, die im Laufe der Geschichte des indisch-philosophischen Denkens die Aufgabe hatten, einige Spekulationen über die Natur des Universums im Allgemeinen anzustellen. Sie gelten noch heute als maßgebliche Systeme des hinduistischen Denkens, da sie trotz ihrer Unterschiedlichkeit gemeinsame Wurzeln in den alten heiligen Texten, den Veden, haben.

Persönlich glaube ich, dass man, um die theoretischen Grundlagen von Ayurveda und Yoga zu verstehen, zweifellos ein Studium des sāmkhya absolvieren muss.

Die Philosophen und Wissenschaftler haben auf der Suche nach den Prinzipien der "Manifestation", aufgrund offensichtlich begrenzter menschlicher Konstitution, in ihren Darlegungen das multiple Unendliche in endliche Regeln gezwungen, um damit grundlegende und untrennbare Elemente zu finden, auf denen sie ihre Interpretationen sicher ausruhen können.
So ist es auch für den sāṃkhya, der mit seinen vierundzwanzig Grundelementen (tattva oder Prinzipien der Realität) eine interpretative Pyramide bildet, meiner Meinung nach jedoch ohne Gipfelpunkt oder erste transzendente Ursache.

In meiner Ausführung, die natürlich auf einer persönlichen Interpretation basiert, möchte ich die Analyse dieses Schemas von oben beginnen.

Die alten Weisen dieser Lehre verfügten, dass zwei Bestandteile der Natur als erste und ultimative Prinzipien betrachtet werden sollten, ewig und absolut ohne Entstehungsursache: puruṣa und prakṛti. puruṣa kann unter einem bestimmten Gesichtspunkt als die kosmische spirituelle Energie betrachtet werden. Es ist der Beobachter ohne Eigenschaften und Attribute; das reine, unbeteiligte und unveränderliche kosmische Bewusstsein, das sich im Mikrokosmos im reinen inneren Subjekt frei von Identifikation mit der Materie, widerspiegelt.

prakṛti ist die kosmische materielle Energie, ohne Bewusstsein, aber aktiv und dynamisch, die Materie, mit dem sich der Mensch fälschlicherweise identifiziert.

Nach Ansicht einiger Schulen entsteht das Leid aus der Vereinigung der beiden, da die Prakṛti die Puruṣa verleitet, all das als schön und ewig zu anzusehen, was in Wirklichkeit schmerzhaft und unbeständig ist.

Ziel des Ayurveda, wie übrigens auch des Yoga, ist es, den Menschen durch Unterscheidungsfähigkeit von der Selbstidentifizierung mit der Materie zu befreien.

Um jedoch zum Makrokosmos zurückzukehren, dünkt mir, dass diese beiden Bestandteile einen Zustand der Stille und Inaktivität in der Natur genießen, bis sie miteinander in Kontakt treten. Man könnte vielleicht sagen, wird einmal ein Anfang zugelassen, kann das Eine das Andere aktivieren.
Kurz gesagt, wenn der Geist in die Materie eintritt, aktiviert er sie und macht sie empfindungsfähig. Die Konsequenz dieser Behauptung könnte dazu führen, dass wir den Geist als verantwortlich und erste Ursache annehmen, auch wenn mir scheint, dass Befürworter dieser Gedankenbewegung die Idee eines Gottes, weder manifest noch transzendent, nicht als die Hauptursache für beide darstellen wollten: sowohl puruṣa als auch prakṛti, die sie, wie andere Schulen zugeben werden, als Aspekte der göttlichen Manifestation begreifen.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist der sāṃkhya atheistisch, daher ist es sinnlos, wie einige Gelehrte zu streiten, um einen Zusammenhang zu finden, der eine theistische Wiederherstellung dieser Untersuchungsmethode ermöglicht.

Wenn puruṣa und prakṛti daher aus unbekannten Gründen miteinander in Kontakt kommen, scheint das animierte Universum zu beginnen und zeigt sich als Entwicklung der prakṛti. Wiederum nach dieser Philosophie entsteht eine erste Verbindung, genannt mahat, in der die Eigenschaften bereits aktiv sind, die später die Charakteristika jeder einzelnen Anhäufung von "lebender" Substanz, einschließlich der menschlichen, bestimmen. Diese Eigenschaften (guṇa), wenn sie sich auf den Makrokosmos oder den intellektuellen mikrokosmischen Aspekt beziehen, sind: sattva, rajas und tamas.

Das erste ist potentielles Bewusstsein, der Drang nach Perfektion, alles, was in der Lage ist, Güte und Glück zu erzeugen. Es ist leicht, transparent und erhellend. Unter anderem ist sattva für die Bildung der fünf kognitiven Sinne oder jñānendriya verantwortlich und entscheidend: Hören, Berühren, Sehen, Schmecken und Riechen.

Die zweite ist Aktivität, einschließlich des Werdens der Welt, sie ist verantwortlich für die Erzeugung von Schmerzen und Auslösung fieberhafter Aktivität. Es bestimmt die Entwicklung der Organe der Handlung, karmendriya: Sprache, Hände, Füße, Fortpflanzungsorgane, Ausscheidungsorgane.

Das dritte, tamas, ist das, was der Aktivität entgegengesetzt ist. Es ist Apathie, Gleichgültigkeit, die zu Unwissenheit und Trägheit führt. Von Tamas gehen zuerst die fünf Tanmātra oder subtilen Elemente aus: Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch, dann mit einer anschließenden Verdichtung die fünf groben Elemente (Mahābhūta): Raum (ākāśa), Luft (vāyu), Feuer (agni), Wasser (āpas) und Erde (pṛithivī).

Aufgrund meiner praktischen Erfahrung als Therapeut kann ich definitv bestätigen, dass diese fünf oben zitierten Elemente nicht nur das Ergebnis einer abstrakten spekulativen Überlegung, sondern in der Praxis überall konkret vorhanden sind, auch im menschlichen Körper, wo sie sich deutlich manifestieren, zB. in folgenden Formen: Das Erdelement spiegelt sich in seinem Gewicht und seiner Dichte wider, Wasser entspricht seiner Feuchtigkeit, Feuer seiner Wärme, Luft seiner Leichtigkeit und schließlich dem Raum, in dem die Dichte einen so offensichtlichen Verdünnungszustand erreicht, dass er auch Luft enthält. Er ist unter verschiedenen Umständen im Körper vorhanden, z. B. in einem Nasenloch (wo tatsächlich die Luft strömt) oder in von schwerwiegender Osteoporose durchlöcherten Knochen.

Infolgedessen habe ich immer behauptet, dass für einen aufmerksamen und erfahrenen ayurvedischen Therapeuten die Diagnose bereits mit dem Empfang seines Patienten beginnen könnte, da er über den typisch westlichen Händedruck wertvolle Informationen wie Gewicht, Feuchtigkeit, Hitze oder Leichtigkeit erhalten kann.

Wir werden gemeinsam herausfinden, dass es genau die pancamahābhūta - die fünf "groben" Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther/Raum - sein werden, die es uns im Ayurveda ermöglichen, eine typische diagnostische Bewertung vorzunehmen und mit Klarheit eine entsprechende Therapie durchzuführen.
                                    ... Fortsetzung folgt in Bälde :)
Many historians agree that this discipline is at least six thousand years old even if, as often happened in India also for the transmission of other systems, the dawn of Ayurvedic knowledge is difficult to date since there was a first phase of transmission. oral obviously of uncertain temporal location.

What does not seem difficult to establish is that this discipline has its roots in the ancient Vedic texts, in particular in Atharvaveda.

As for its mythological sources, it is said that āyurveda originates directly from Brahmā who gave it to the sage Dakṣa Prajāpati and he taught it to the Aśvin, the twin gods, and from them it was transmitted to Indra, Lord of lightning, God of the storm, which in turn revealed it to his disciples: Bhāradvāja, Atreya, Kāśyapa and Dhanvantari.

The latter is considered the father deity of Ayurveda and is still considered, by most Ayurvedic doctors, the patron of traditional medicine. In iconography he is normally represented with a vase of amṛta, the nectar of the gods or drink of immortality, in the left hand at the top, while in the right hand at the bottom he has a text on medicine; in the other hands, a medicinal herb and, sometimes, even a leech, a scalpel or a shell to represent the different branches of medicine and surgery.
 
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